2017

Jahr für Jahr wird es … weniger Hoffnungsvoll, dass von irgendwoher das Licht der Vernunft zurück kehrt und sich wie ein heilender Schleier über unseren Planeten legt. Menschlichkeit muss sich mit temporären Aufbegehren begnügen, während dem Desinteresse der rote Teppich kredenzt wird. Gegen das robuste Unkraut der Egomanie scheint kein Gift mehr zu helfen. 

Trends sind zuweilen recht kurzlebig und häufig von der Angewohnheit begleitet wieder Sang- und Klanglos zu verschwinden. 300.000 Jahre Existenz übersteigt zwar unsere Definition von „kurzlebig“, ist aber Erdgeschichtlich genau das. Kommt es am Ende zum selben Ergebnis, war der Homo Sapiens eben doch nur ein Trend. Ob nun üble Laune oder fehlgeschlagenes Experiment der Natur, ist dabei nebensächlich. Nur geräuschlos wird das nicht passieren und die Erde dürfte lange an den Folgen knabbern.

Düstere Aussichten, deren Werdegang immer deutlichere Konturen annimmt. 2017 bestätigte dies, was vom verzweifelt anmutendem Schön-Gerede untermauert wird. Verständlicherweise werden wie üblich die Augen vor den Wahrheiten verschlossen. Natürlich will niemand sehen, wie seine Entscheidungen die Zersetzung vorantreibt … und verantwortlich sind sowieso die anderen.

Gelder für Entwicklungshilfe, staatliche Not-Fonds und private Spenden erreichten neue Höhen. Erstaunlicherweise nehmen weltweit Armut, Hunger und Elend zu. Besonders zielgerichtet scheinen die Gelder nicht investiert zu sein, sie beruhigen lediglich das Gewissen. Allerdings steigt die Empörung, klopft die Not an der eigenen Haustür. Zwietracht, Neid, Unverständnis und Ablehnung ziehen ihre wachsenden Risse durch die Gesellschaften. Ignoranz, Respektlosigkeit, Intoleranz und Egomanie schleichen sich heimlich ein und verschleiern ihre Anwesenheit heimtückisch in Protesten gegen sich selbst.

Überlagert von einer diktierten Konsumsucht, deren stetig steigender Rausch in den Köpfen durchgebrannte Sicherungen herbeiführt. Der Wendepunkt für eine geordnete Entsagung wurde längst überschritten. Ein Entzug entblöße jetzt eine schmerzhafte Leere, weil dem Leben die Inhalte fehlen. Deswegen werden Angebote, die das Denken übernehmen, mit offenen Armen empfangen. Diebisch freut sich die Wirtschaft, ist der Spielball immer leichter zu beherrschen und zu steuern.

Ausbeutung und Druck haben in allen erdenklichen Ausprägungen zugenommen. Politisch und wirtschaftlich konzentriert sich die Macht in eine immer dünner werdende Spitze. Dort interessiert man sich nicht für die Folgen, solange sich vorhandene Ressourcen auspressen lassen, egal ob menschlich oder natürlich.

Krisen und Spannungen strecken ihre Fühler in die vorgegaukelt heile Welt aus. Verseuchter Nationalismus allerorts sind erste Symptome des Befalls. Vor lautem Einigungsgeschrei und Machtblindheit wird der gewählte falsche Weg ignoriert. Eigene Irrtümer akzeptieren die Mächtigen nicht. Die Fehler baden die Massen aus, was deren Gereiztheit ständig vergrößert. Wehrlos, Hilflos, Machtlos, Unverstanden, Unbeachtet sind die Zutaten für einen gefährlichen Cocktail. Selbst die Konsumdroge wird dessen bitteren Geschmack nicht auf Dauer überdecken.

2017 hat auch der Letzte begriffen, dass unsere existentiellen Grundwerte vernichtet sind und lediglich als plakatives Gebrüll missbraucht werden. Menschlichkeit, Vernunft und Moral fristen in wenigen Köpfen realitätsferner Unverbesserlichen ein kärgliches Dasein, sind ansonsten aber weitestgehend erfolgreich eliminiert. Für die um sich greifenden diktatorischen Machtbestrebungen sind sie hinderlich. Das neue Heiligtum duldet keine bremsenden Faktoren auf seinem Kreuzzug. Scheinheilig forciert es seinen Absolutismus und dirigiert unseren beschränkten Verstand. Gedankenlos tappen wir in die selbst gegrabene Grube, an deren Rand die Geldmacht höhnisch herab grinst. Die sich ihnen im Rücken nähernden Raketen übersehen sie, obwohl sie von ihnen ausgelöst wurden.

Am Ende bleibt Asche und eine Notiz: „Wir haben es gewusst und nichts getan …“

Wirtschaft

Die Paradise Papers ragten aus den Verfehlungen heraus, belegen sie das unmoralische und asoziale Gebären der gut Betuchten. Von der Masse abschöpfen, aber möglichst nichts zurück geben. Nach dem Motto, „Gelegenheit macht Diebe“, wird deren Mundraub durch die Beihilfe von Ländern befeuert, denen Steuergerechtigkeit egal ist und die ebenso egoistisch sind, wie ihr reiches Klientel.

Hängt man sich über Jahre in einen Job rein, wenn einem garantierte 4,5 Millionen Euro Gehalt winken, egal wie viel und lange man tatsächlich gearbeitet hat? Natürlich nicht; man sieht zu, dass man so schnell wie möglich aus der Nummer rauskommt. Eine Insolvenz bietet da einen einfachen Weg, zumal, wenn das Unternehmen schon in schwerer See unterwegs ist. Ein halbes Jahr benötigte der zur Rettung eingestellte Chef von Air Berlin, um die Fluglinie endgültig abstürzen zu lassen. Lufthansa war hoch erfreut und nur böse Zungen würden ein abgekartetes Spiel vermuten.

Die breiteste Wirkung erzielte wie seit Jahren das Schlagwort „Optimierung“. Egal ob Effizienz, Kosten oder Steuern, überall wurden die Schrauben weiter angezogen, um mehr Profit herauszuquetschen. Wie immer stellen die Mitarbeiter das schwächste Glied der Kette dar und werden wie faulige Stellen einer Frucht weiträumig heraus geschnitten. Neben Air Berlin gesellen sich in diesem Jahr besonders Thyssen Krupp und Siemens.

Ruft eine Gewerkschaft dann zum Protest, mutet das fast schon niedlich an, wäre alles nicht so traurig. Nicht nur die Entlassungen, sondern auch die Irrelevanz der Arbeitervertretungen. Die leben einzig von vergangenen Zeiten und brüllen heutzutage nur noch, um nicht in Vergessenheit zu geraten und sich wichtig zu fühlen. Für Tarifverhandlungen wären deren aufgeblähter Apparat zumindest nicht notwendig. Bestes Beispiel liefert hier seit Jahren Amazon, die von den häufigen Streiks völlig unberührt bleiben.

Keine Aufmerksamkeit mehr erhalten kleine Veränderungen, obwohl sie Jeden von uns jeden Tag treffen und, ganz entscheidend, an unser Geld gehen. Im Supermarkt stoßen wir täglich darauf und ignorieren es einfach. Diese stille Akzeptanz animiert die Hersteller ungeniert ihr Versteckspiel voran zu treiben. Seitdem die Verpackungsordnung nahezu abgeschafft wurde, werden uns Produkte in immer kleiner werdenden Verpackungen unter die Nase gejubelt. Damit wir deren Abzocke nicht durchschauen, verwirrt man die Verbraucher mit unterschiedlichsten Gebinde- und Sondergrößen. Der angeblich für Vergleichszwecke in winziger Schrift angebrachten Grundpreis ist eine Farce, ein bitterer Witz, eine Verarschung der Konsumenten. Natürlich sind Preiserhöhungen unvermeidlich, aber dann können die auch offen und ehrlich kommuniziert werden. Kostet der Pudding statt 79 Cent plötzlich 89 Cent, registriert man das und kann entscheiden, ob er einem das noch wert ist. Stellt man aber irgendwann fest, dass der Pudding zwar noch 79 Cent kostet, aber statt 200 g nur noch 190 g enthalten sind, ist das hinterfotzig und respektlos. (Es sind reale Zahlen vom Ehrmann „Grand Dessert“, aber auch andere Produkte von denen haben eine Schrumpfkur erfahren.) Dabei ist es so einfach sein Missfallen auszudrücken: Nicht kaufen! Klar ist die Politik Schuld, aber dort sitzen nur die ausführenden Lakaien, die folgsam die Wünsche der Wirtschaft umzusetzen haben. Mit etwas gutem Willen und Hirn brauchen Verbraucher diesen Praktiken nicht stillschweigend Absolution erteilen.

Politik

Der selbe Wahnsinn wie jedes Jahr – passt auf 2017 nicht. Über das gesamte Jahr dominierte der neue amerikanische Präsident die Schlagzeilen. Die Amis haben tatsächlich einen Sprüche klopfenden Pleitier zu ihrem Oberhaupt gewählt. Weltweit waren und sind die Befürchtungen groß, dass dessen bornierte Egomanie verheerende Ereignisse auslöst. Das anhaltende Säbelrasseln mit Nordkoreas größenwahnsinnigen Diktator gleicht dabei einem Streichholz nahe der Zündschnur. Neben viel heißer Luft, obwohl der Klimawandel geleugnet wird, wurde die Netzneutralität beerdigt und soll mit weniger Staatseinnahmen (= Steuern) mehr Geld ausgegeben werden.

In Europa nimmt der Gärungsprozess Fahrt auf, was erwartbar war. Die eingeschränkt denkenden Realitätsfremdlinge in Brüssel bieten einer Abwehrhaltung immer mehr Futter an, weil sie einzig an ihrem Machtausbau interessiert sind. Der Gedanke über 500 Millionen Menschen zu herrschen, treibt ihnen vorauseilend die Freudentränen in die Augen, so dass sie nicht erkennen, wie es an allen Ecken bröselt. Redet man dort vom „zum Wohle der Menschen“, meint man nur sich selbst. Wie verstümmelt die Politik-Inzucht ist, belegt die Position des obersten Finanzmoguls im EZB Palast, Mario Draghi, der im Gefängnis sitzen sollte, aber stattdessen unsere Milliarden aus dem Fenster werfen darf. Die in Europa existierenden Steueroasen werden in Ruhe gelassen, böse sind nur die anderen. Nichts gegen eine starke Gemeinschaft, aber der eingeschlagene Kurs führt in eine Desaster und muss dringend korrigiert werden. Dafür braucht es aber neues Personal.

Die Bundestagswahl bestätigte hierzulande den nationalistischen Trend. Dabei sprechen sich Viele irrtümlich für den aktuellen Europa Kurs aus, was daran liegt, dass sie sich zu wenig damit beschäftigen. Obwohl sie es besser wissen, glauben zu Viele immer noch den Versprechungen der Politiker. Die Probleme sind einerseits realitätsfremdes Machtverlangen in der Politiker Schicht, andererseits die fehlenden Alternativen. Die Partei, die dies in ihrem Namen verspricht und aus dem Stand drittgrößte Kraft wurde, ist keine. Sie wurde wegen ihres kranken Gedankenguts von denen gewählt, die sich ausgeschlossen fühlen. Klare Abstrafung der etablierten Parteien.

Weil die Wahl für eine Herausforderung bei der Regierungsbildung sorgt, offenbart sich endlich der wahre Zustand des Politik-Karussells: Marode, Morsch, Reparaturbedürftig. Das seit dem stattfindende Kasperletheater braucht keine weitere Bühne.

Krisen

War die sogenannte “westliche Welt” bislang relativ verschont, schwappen die Konflikte nun auch über deren Ländergrenzen hinweg. Vereinfacht können aber alle auf lediglich zwei Ursachen reduziert werden; entweder korrupte Diktaturen oder ideologische Fanatiker. Bei letzteren helfen keine mahnenden Worte, denn die werden erst aufhören, wenn alles Leben ausgelöscht ist – inklusive des eigenen, versteht sich.

Ersteres ist dagegen eine Blamage für die Weltgemeinschaft. Jährlich steigende Unsummen an Entwicklungshilfen und Geldspenden sorgen trotzdem für eine Massenflucht. Eklatanter können sich Fehlinvestitionen nicht zeigen. Wer profitiert demnach von den Geldern? Die Not leidenden Menschen auf jeden Fall nicht. Hier mal einen Brunnen, dort eine Schule oder etwas genmanipuliertes Saatgut sind eben nicht die Lösung. Über das zustande gekommene Freihandelsabkommen mit Afrika freut sich die Wirtschaft – unsere! Es ist absehbar, dass im jetzt schon vom Leid geplagten Kontinent das Elend steigt. Und hier wird diskutiert, wie die Flüchtlinge in den Griff zu kriegen sind, die man selbst aus deren Heimat verjagt. In Politiker Hirnen kann nur Grütze schwimmen, um es mal freundlich auszudrücken.

Alles?

Bei weitem nicht! Bis hier hin sind es bereits sieben Buchseiten und es bräuchte wahrscheinlich das drei- bis vierfache, um nur die bedeutsamsten Ereignisse, Umstände und Entwicklungen nieder zu schreiben – zu lang für einen Artikel. Obige Zeilen geben lediglich wieder, was sich mir just im Moment des Schreibens an Themen in den Vordergrund drängte. Ließe ich mir ein wenig Zeit und würde etwas überlegen, würden die Zeilen zügig anwachsen. Aber es ist ja nicht aller Tage Abend und hier genug Platz für reichlich Ergüsse … und die werden kommen.

2018

Schlimmer geht immer … begann ich den Rückblick auf #kurzhalt, was die letzten Jahre eindrucksvoll belegen. Es ist nicht verkehrt, mit Sorge auf die kommenden 365 Tage zu schauen.

Dem Staat ist es nie an der Wahrheit gelegen, sondern immer nur an der ihm nützlichen Wahrheit, noch genauer gesagt, überhaupt an allem ihm Nützlichen, sei dies nun Wahrheit, Halbwahrheit oder Irrtum.
(Nietzsche)

Ohne Sarkasmus wünsche ich allen Lesern und Leserinnen ein zufriedenes Jahr.