Quo vadis Amerika?

Versteht ein Millionär noch das Volk? Die vermeintliche Führungsschicht hat sich doch seit längerem entkoppelt. Lässt sich ein Land wie ein Unternehmen leiten? Taugt ein Unternehmenslenker automatisch zum Landeschef? Muss dieses Experiment ausgerechnet in den USA getestet werden, dem selbstgefälligen Weltführer? 

Der Wahlerfolg von Donald Trump war unausweichlich. So tickt der Mensch eben: Trotz! Bekniet die Welt uns Amerikaner, wir sollten das kleinere Übel Clinton wählen, wollen wir erst Recht das volle Programm. Paradoxerweise entspricht bei dieser Wahl der erste Slogan von Barack Obama der Stimme des Volkes: Yes we can!

Keinen Schimmer befällt mich bei den krassen Diskrepanzen, die unübersehbar sind. Merkwürdigerweise werden diese in den Medien überhaupt nicht thematisiert. Apropos Medien: Jämmerlich versagt, gehen sie jetzt im Tal der eigenen Tränenflut unter.

In einer Reportage wurde über eine Mutter zweier Kinder berichtet, die mit 2(!) Jobs über 25.000 $/Jahr verdient – aber Nachts auf einem bewachten Parkplatz im Auto schläft! Viel trauriger machen hingegen die zahlreichen Stimmen, die das mit dem Klimawandel nicht begriffen haben. Die trotz eigener Kinder weiter Kohle verbrennen wollen, um sich selber wertig zu fühlen.

Als Erstes soll Obamacare abgeschafft werden, die Krankenversicherung der Einkommensschwachen auf Kosten der Allgemeinheit. Aber Vielen droht, in eben diese Kategorie zu rutschen, daher soll es Trump richten. (Inzwischen rudert Trump hier zurück. Nicht politisch motiviert, sondern weil er weiß, dass kranke Arbeitnehmer, schlechte Arbeitnehmer sind.)

Der 45. US-Präsident ist ein Wirtschafts-Tycoon. Natürlich kennt er die Gesetze des Marktes: Arbeitsplätze abbauen, Steuern sparen und Gewinne maximieren. Harmoniert irgendwie gar nicht mit den Erwartungen der Wähler. Sind Steuern nicht ein Beitrag zur Allgemeinheit? Wieso schenken die Wähler dem größten Steuer-Trickser ihr Vertrauen?

Woher sollen also die ganzen Arbeitsplätze kommen? Und Steuern, die natürlich benötigt werden, um z.B. Staatskosten zu finanzieren? Die Reichen werden ja weiter verschont.

Die Infrastruktur hat dringenden Nachholbedarf, eine 1.600 km lange Mauer soll gezogen werden und Artfremde ausgebürgert werden. Solche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Deportationen kennen doch nicht nur wir Deutschen, oder?

Was würde passieren, stürbe das Kind eines NRA* Führungsmitgliedes unschuldig im Schusswechsel rivalisierender Gangs? Na klar, Wayne LaPierre* würde ihn zum Märtyrer erheben und erst recht Alle zu den Waffen aufrufen**.

Also mir raucht vor lauter Unverträglichkeiten der Kopf. Die Rechtschreibkorrektur möchte daraus Unerträglichkeiten machen und scheint mich zu verstehen.

Sind es Gegensätze, die sich hier anziehen?

Kann man Nein sagen, aber Ja wählen?

Zählt die Gemeinschaft, oder letztendlich nur das Ich?

Wer die Menschen wie wiederkäuende Grasfresser behandelt, wird deren Hufe schmerzhaft zu spüren bekommen. Wir Alle sind Primaten, aber behandle uns nicht wie Affen.

Petry, Le Pen, Wilders, Farage

Orban, Kaczyinski, Michaloliakos

Namen und Personen, die für einen neue Ausrichtung stehen. Gemeinsam haben sie einen Favoriten, den sie nur insgeheim bewundern, aber öffentlich vehement bekämpfen: Erdogan.

Quo vadis Amerika? Das war denen schon immer egal. Hauptsache, es ging ihnen Besser, als dem Rest der Welt. Die Wahl zeigt die Angst vor dem Verlust – Status und Ansehen. Allerdings sind wir hier in Europa in diesen Punkten schon weiter.

In nächster Zeit wird es fürchterlich im Karton rappeln. Und das ist Gut so! Ob das zu mehr Einsicht und Vernunft führt, wage ich zu bezweifeln. Der Dreck ist inzwischen derart angewachsen und verkrustet, dass zur Reinigung kraftvollere Mittel nötig sein werden, als lediglich Appelle.

Weitere Informationen:

* NRA = National Rifle Association (größte Waffen-Lobby Organisation) deren Vorsitzender derzeit Wayne LaPierre ist.

** Kill Zone USA – Ein Dokumentarfilm, der bei vernünftigen Menschen Brechreiz auslöst und bei den Kranken zu leuchtenden Augen führt.
War bei arte zu sehen, ist dort aber nicht mehr verfügbar. Bei YouTube wird der Film zwar angeboten, kostet aber 1,99 Euro.
Behelfsweise darf die 30 minütige Reportage „Ein Land erschießt sich selbst – Amerikas tödliche Liebe zu den Waffen“ betrachtet werden.